Palliativmedizin

Hilfe nicht ausschließlich am Lebensende

„Wenn ich nur früher mit Ihnen und der Palliativmedizin in Kontakt gekommen wäre, dann wäre mir und meiner Familie viel Leid erspart geblieben. Aber nachdem mein Hausarzt mir erstmals vorgeschlagen hatte, Kontakt zur Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin aufzunehmen, hatte ich so eine Angst, dass das Sterben nun ganz nahe ist“, so die Aussage eines Betroffenen, der durch den ambulanten Palliativdienst über mehrere Monate gemeinsam mit seinem Hausarzt und im weiteren Verlauf auch einem ambulanten Pflegedienst zu Hause betreut wurde.

Immer noch sind die Begriffe und Inhalte von „Palliativ“ oder „Hospiz“ nicht ausreichend bekannt oder rufen bei Menschen Ängste hervor. Wie lässt sich das erklären? Menschen sind froh, wenn sie gesund sind und sich nicht mit dem Thema schwere Krankheit oder gar Sterben und Tod beschäftigen müssen. Leidet ein Mensch jedoch an einer Erkrankung, die - oftmals nach einer langen Zeit der Behandlung -, dann doch weiter fortgeschritten und nicht mehr heilbar ist, kann die Hospiz- und Palliativversorgung den Betroffenen und seinen Angehörigen umfangreiche Unterstützung anbieten.

So kann die Klinik für Palliativmedizin helfen

Die Klinik für Palliativmedizin bietet im Rahmen der klinischen Versorgung neben einer Behandlung und Begleitung auf der Palliativstation einen Palliativdienst an, der allen Patientinnen und Patienten auf den verschiedenen Stationen der Universitätsmedizin Göttingen zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es das multiprofessionelle Palliativteam der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Das Team kümmert sich im ambulanten Bereich um Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige in Göttingen und im Landkreis. Schwerkranke Menschen und Sterbende haben einen Anspruch auf eine spezialisierte Palliativversorgung. Immer noch besteht die Vorstellung, dass Palliativmedizin ausschließlich ein Angebot für die letzten Tage und Stunden des Lebens sei. Von unserer Beratung, (Mit-)Behandlung, Versorgungsorganisation und Begleitung durch ein multiprofessionelles Team können Betroffene aber auch in früheren Stadien einer unheilbaren Erkrankung profitieren und Unterstützung für sich und ihre Angehörigen erfahren.

Ziel der Palliativversorgung

Die Palliativmedizin verfolgt das Ziel, die mit der schweren Erkrankung einhergehenden Symptome und Belastungen von Patientinnen und Patienten zu lindern, Gespräche zu führen, Therapieziele gemeinsam festzulegen und 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche erreichbar zu sein. Neben der stationären palliativmedizinischen Behandlung ermöglicht der ambulante Palliativdienst eine zusätzliche Unterstützung der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Versorgung zu Hause, damit Patientinnen und Patienten solange wie möglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung leben können und ihnen ein Sterben in Würde und mit möglichst geringer Symptombelastung ermöglicht wird. Die Betreuung und Unterstützung erfolgt dabei immer in Kooperation und enger Ansprache mit dem Hausarzt und den ambulanten Pflegediensten. Sie kann aber auch in Pflegeheimen oder Hospizeinrichtungen erfolgen.

Wir sind dankbar, dass wir mit unserem Team vielen Menschen in Göttingen und dem Landkreis ambulante und stationäre Palliativversorgung anbieten können, und hoffen, dass wir dazu beitragen können, unbegründete Ängste vor dieser Form der Versorgung zu verringern. Dabei wollen wir erreichen, dass die Palliativversorgung auch frühzeitig all denen zu Gute kommt, die sie benötigen. Patienten mit unterschiedlichen Grunderkrankungen können einen palliativmedizinischen Behandlungsbedarf haben. Hierbei handelt es sich nicht nur um Krebserkrankungen, sondern auch um fortgeschrittene Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- oder neurologische Erkrankungen.

Inhalte und Möglichkeiten der Palliativversorgung

Palliativversorgung orientiert sich an den Bedürfnissen der Patienten, ihrer Angehörigen und den primär Behandelnden. In einem ausführlichen Gespräch erfahren wir mehr über die Patienten sowie deren Krankheitsgeschichte und können mit den Betroffenen die weiteren Behandlungsschritte abstimmen. Im multiprofessionellen Team stehen wir den Patienten mit den palliativmedizinischen bzw. -pflegerischen Behandlungsangeboten zur Verfügung. Dabei steht oft zunächst die Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Luftnot, Unruhe oder Übelkeit und Erbrechen im Vordergrund. Gleichzeitig besteht nicht selten ein psychosozialer Unterstützungsbedarf. Durch eine nicht nur ärztliche, sondern insbesondere palliativpflegerische Beratung und Unterstützung sowie ggf. der Anleitung des Patienten sowie seiner An- und Zugehörigen in Bezug auf einfache pflegerische Maßnahmen lassen sich in der Regel bereits viele der belastenden Symptome und Probleme lindern. Zuverlässigkeit, Erreichbarkeit, Kompetenz, Krisenmanagement, Wahrhaftigkeit, Empathie und Dasein geben den Betroffenen Sicherheit. Im ambulanten Bereich kann dieses Sicherheitsempfinden zur Entlastung anderer Versorger, pflegender An- und Zugehöriger sowie zur Vermeidung unnötiger Krankenhauseinweisungen beitragen.

Ein Patient, der bereits eine Weile durch das multiprofessionelle ambulante Palliativteam mitbehandelt wurde, antwortete auf die Frage, was ihm durch den Kopf geht, wenn er an Palliativversorgung denkt: „Bevor ich selbst zum Palliativpatienten wurde, habe ich mir ehrlich gesagt nur wenig Gedanken darüber gemacht. Ich wusste nicht, dass es auch die ambulante Versorgung gibt. Bei „Palliativversorgung“ dachte ich nur an einen Aufenthalt auf der Palliativstation. Nach meinen Erfahrungen denke ich nun eher daran, dass für mich schnell jemand da ist, ich immer einen Ansprechpartner habe, wenn erneute Probleme auftauchen, und dass ich in regelmäßigen Abständen Besuch zu Hause bekomme, wenn es erforderlich ist. Mir ist wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über mich informiert sind und mir immer die Wahrheit sagen, auch wenn das nicht immer leicht ist, so weiß ich doch, wie es gerade um mich steht. Eigentlich sollte so etwas in einem Land wie Deutschland selbstverständlich sein, aber meine Erfahrungen bisher zeigen leider Gegenteiliges.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Palliativzentrums wie auch die Ehrenamtlichen im Rahmen der ambulanten Hospizversorgung in Göttingen setzen sich mit einer Haltung größten Respekts vor den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen und Problemlagen in ihren Begegnungen mit Patientinnen und Patienten sowie deren Zugehöriger für diese ein. Gute Palliativversorgung ist nicht ohne hospizliche und damit ehrenamtliche Begleitung umsetzbar. Umgekehrt ist gute Hospizversorgung ohne palliativmedizinische Unterstützung nicht machbar.

Forschung, studentische Lehre, Fort- und Weiterbildung für alle in die Palliativversorgung involvierten Berufsgruppen, Kurse für Menschen, die sich ehrenamtlich dort engagieren möchten, sowie wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen runden unsere Arbeit ab.

Autor

Direktor

Prof. Dr. med. Friedemann Nauck

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