Darmkrebsmonat März

Vorsorge auch in Zeiten von Corona nicht vernachlässigen

Vor genau einem Jahr erklärte die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus zur Pandemie. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Aufgrund der Pandemie sind viele Arztbesuche und Behandlungen verschoben worden, oftmals auch aus Angst davor sich mit dem Virus anzustecken. Davon ist auch die Darmkrebsvorsorge leider nicht verschont geblieben und so fanden seit Ausbruch der Pandemie insgesamt bis zu 40 Prozent weniger Darmspiegelungen statt. Dabei gab es in den letzten Jahren dank umfangreicher Aufklärungsprogramme und einer größer werdenden Akzeptanz der Vorsorge-Darmspiegelung in den Risikogruppen wachsende Untersuchungszahlen. Die Folge hiervon war auch ein Rückgang der Anzahl an Neuerkrankungen - eine gute und wichtige Entwicklung im Kampf gegen Darmkrebs. Seit Beginn der Pandemie letzten Jahres ist diese positive Entwicklung allerdings gefährdet, da wieder weniger Menschen zur Darmkrebsvorsorge gehen und dieser Trend sollte unbedingt gestoppt werden. Im Darmkrebsmonat März möchten die Gastroenterologen des UniversitätsKrebszentrums Göttingen gemeinsam mit ihren niedergelassenen Kollegen daran erinnern, wie wichtig es ist, die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Denn durch diese Früherkennungsmaßnahmen kann jeder etwas für seine Gesundheit tun.

Umfangreiche Hygienekonzepte in Kliniken und Praxen

Auch mit stagnierenden oder teilweise rückläufigen Infektionszahlen in Göttingen ist für viele Menschen die Ungewissheit geblieben, ob sie Arzttermine wieder wahrnehmen können oder nicht. Die Antwort kann nur lauten: Ja! Nutzen Sie die Früherkennungsmaßnahmen und gehen Sie zu den Vorsorgeuntersuchungen. Die Kliniken und Arztpraxen haben bereits im letzten Jahr innerhalb kürzester Zeit große Anstrengungen unternommen, um ihre Patienten und ihre Mitarbeiter durch spezielle Hygienekonzepte bestmöglich vor einer Ansteckung zu schützen. Auch die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte haben Konzepte für den Umgang mit Corona in den Praxen erarbeitet. Bisherige Ergebnisse zeigen, dass diese Konzepte funktionieren und das Risiko einer Coronainfektion beispielsweise in der Endoskopie bei Einhaltung der Hygienemaßnahmen extrem gering ist.

Auch wenn die Diagnose Darmkrebs immer noch Angst bei den Betroffenen hervorruft, sind die Chancen auf Heilung heutzutage sehr gut. Vorausgesetzt allerdings, dass er frühzeitig erkannt wird. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts pro Jahr rund 35.400 Männer und 30.000 Frauen an Darmkrebs. Damit ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung überhaupt. Sie tritt meistens ab dem 50. Lebensjahr auf, wobei das Durchschnittsalter bei Männern bei 69 Jahren und bei Frauen mit 75 Jahren bedeutend höher liegt. Männer erkranken weitaus häufiger an Darmkrebs, deshalb sollten sie bereits ab 50 Jahren zur Darmkrebsvorsorge, insbesondere zur Vorsorgekoloskopie.

Nutzen Sie die Vorsorge – für sich und für Ihre Angehörigen

In 90 Prozent der Fälle entsteht Darmkrebs aus Vorläuferveränderungen, sogenannte Polypen. Diese zunächst gutartigen Geschwulste im Dickdarm können jedoch entarten, sodass sich ihre Zellen in Krebszellen umwandeln. Werden diese rechtzeitig erkannt, sind sie gut zu entfernen. Mit Hilfe des Darmkrebsfrüherkennungsprogramms, das seit 2002 besteht, konnten mit Hilfe des Stuhltests und der Vorsorgedarmspiegelung gute Erfolge erzielt werden. Die Daten der Vorsorgekoloskopie zeigen, dass eine konsequente Anwendung dazu beiträgt, Neuerkrankungen zu reduzieren und die Sterblichkeit von Darmkrebs zu verringern.

Mit dem neuen Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) das seit 2019 in Kraft ist, wurde das Darmkrebsscreening durch ein bundesweit organisiertes Einladungsverfahren abgelöst. So werden Menschen im Alter von 50, 55, 60 und 65 Jahren aus allen Schichten der Bevölkerung von ihren Krankenkassen persönlich zur Darmkrebsvorsorge eingeladen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Anzahl der Koloskopien ist bis 2019 um bis zu 14 Prozent gestiegen. Vor allem Männer profitieren von dem neuen Gesetz, denn sie haben im Gegensatz zu vorher nun die Chance, bereits mit 50 Jahren entweder einen Stuhltest oder eine Darmspiegelung machen zu lassen. Für Frauen gilt der Zugang zur Koloskopie unverändert erst ab 55 Jahren. Diese Regelung resultiert daraus, dass Männer durchaus früher an Darmkrebs erkranken als Frauen.

Was kann man selbst tun, um Darmkrebs zu vermeiden?

Die genauen Ursachen von Darmkrebs sind bisher ungeklärt. Fest steht, dass es einige Risikofaktoren gibt, die dazu beitragen, dass sich Darmkrebs entwickeln kann. Dazu gehören Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung mit viel Fleisch sowie regelmäßigem Alkoholkonsum. Das bedeutet, mit einer gesunden Lebensweise kann man selbst etwas dazu beitragen, das persönliche Risiko für Darmkrebs zu verringern. Manche Menschen haben aber auch eine Veranlagung an Darmkrebs zu erkranken, sodass die Vorsorge in der Familie hier einen besonderen Stellenwert haben sollte. Und auch Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen sind gefährdet.

Durch eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Früherkennung ab dem 50. Lebensjahr lässt sich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, bedeutend minimieren. Man geht davon aus, dass bei konsequenter Durchführung der Vorsorgeuntersuchung und einer Diagnosestellung in frühen Krankheitsstadien bis zu 90 Prozent aller Darmkrebspatienten geheilt werden können. Daher sollte die Früherkennung eine wichtige Rolle spielen. Neben regelmäßiger körperlicher Bewegung, wenig Alkohol und Nikotinverzicht, sollten vor allem Lebensmittel wie Kartoffeln, Getreideprodukte, Gemüse und Obst auf dem Speiseplan stehen. Zu den Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen gehören die Tastuntersuchung, der Stuhltest und die Darmspiegelung. Dabei werden der Stuhltest und die Darmspiegelung bei Männern ab 50 Jahren und bei Frauen ab 55 Jahren von den Krankenkassen übernommen.

Zuverlässig und schmerzfrei: die Darmspiegelung

Die Darmspiegelung gilt derzeit als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung. Bei der Spiegelung erhält der Arzt einen Überblick über die Schleimhäute des gesamten Dickdarms, und kann krankhafte Veränderungen genau erkennen. Eine Darmspiegelung dauert in der Regel 15 bis 25 Minuten. Die meisten Patienten werden in einen medikamentösen Kurzschlaf versetzt und bekommen von der Untersuchung selbst nichts mit. Für die Spiegelung wird ein dünnes, schlauchartiges Endoskop mit integrierter Kamera in den Darm eingeführt. Über den Arbeitskanal ist es möglich, während der Untersuchung Gewebeproben für eine feingewebliche Untersuchung, eine sogenannte Biopsie, zu entnehmen. Außerdem können so auch Polypen entfernt werden. Hierzu wird der Polyp mit einer Drahtschlinge umfasst, abgetrennt und durch das Endoskop herausgezogen. Oftmals wird die Behandlung ambulant durchgeführt, sodass der Patient am selben Tag nach Hause gehen kann

Zielgerichtet gegen Darmkrebs

Seit einigen Jahren spielen bei Darmkrebspatienten neben Chemotherapeutika auch zielgerichtete Therapien mit Antikörpern eine wachsende Rolle. Diese neuen Therapien kommen bisher vor allem bei Patienten zum Einsatz, bei denen der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Hier können sie entweder im Tumor die Neubildung von Blutgefäßen hemmen, sodass die Krebszellen sich nicht mehr mit Nähstoffen versorgen können und „verhungern“, oder sich an Rezeptoren auf den Tumorzellen andocken und die Mechanismen hemmen, die ihr Wachstum fördern. Die Folge ist: Der Krebs kann sich nicht weiter ausbreiten. Jedoch sind auch die neuen Medikamente nicht nebenwirkungsfrei, sodass sie die etablierten Behandlungsmethoden derzeit nicht ersetzen, sondern ergänzen. Festzuhalten ist, dass die Darmkrebsbehandlung immer personalisierter wird und dank der intensiven Forschung immer mehr Patienten langfristig mit dieser Erkrankung überleben. Dabei bleibt die Früherkennung von Darmkrebs das wichtigste Instrument um die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen.

Autoren

Direktor UniversitätsKrebszentrum Göttingen

Prof. Dr. med. Volker Ellenrieder

Kontaktinformationen

Sekretariat

  • Direktor der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie

    Direktor des UniversitätsKrebszentrums Göttingen

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Dr. med. Klaus-Peter Schweiger

  • Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Praxisgemeinschaft am Gausswall Göttingen

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