Komplementäre Methoden bei Krebs

Damit komplementäre und integrative Therapieansätze bei der Behandlung von Krebserkrankungen unterstützen können, ist ein Zusammenspiel von ärztlicher und pflegerischer Expertise wichtig.

Seit sieben Jahren kommen an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) Methoden der Komplementären Pflege zum Einsatz. Das Team besteht aus drei Pflegefachpersonen des Pflege- und Pflegefunktionsdienstes der UMG (v.l).: Natascha Bode, Sandra Liebscher-Koch, Harald Wigger. Foto: UMG

Eine Krebstherapie stellt eine physische und seelische Belastung für die Betroffenen und Angehörigen dar. Durch die Behandlung der Krebserkrankung kann es zu körperlichen Symptomen kommen, die zusätzlich beeinträchtigen. Neben der bestmöglichen medizinischen Therapie entsteht bei vielen Patienten der Wunsch, den Verlauf der Erkrankung aktiv zu beeinflussen und selbst etwas dazu beizutragen, das Befinden zu verbessern. Komplementäre Methoden sind hier eine Möglichkeit, die klassische Krebstherapie aus Operation, Chemo- und Strahlentherapie zu unterstützen. Sie hat das Ziel, die Krebstherapie zu begleiten und deren Nebenwirkungen zu lindern. Außerdem sollen so die Selbstheilungskräfte aktiviert werden, um Körper sowie Geist zu stärken, um die Therapie besser durchzustehen.

Ätherische Öle, Wickel und Auflagen sowie rhythmischen Einreibungen und achtsame Berührungen können auf sanfte und schonende Weise auftretende Beschwerden während der Therapie lindern. Dabei sind die komplementären Methoden nicht mit alternativen Methoden gleichzusetzen. Alternative Therapien lehnen die wissenschaftlich fundierte Medizin ab und sollen eine Alternative zur klassischen Behandlung darstellen. Komplementäre Methoden hingegen ergänzen die klassische Krebstherapie.

Mehr als die Hälfte aller Krebspatient*innen in Deutschland nutzen komplementäre oder alternative Therapiemöglichkeiten. Häufig zum Einsatz kommen Mistelpräparate, Vitamine und Spurenelemente. Aber auch regelmäßige körperliche Bewegung und eine mediterrane Ernährung sind empfehlenswert. Damit diese ergänzenden Maßnahmen einen positiven Effekt haben und die klassische Therapie nicht negativ beeinflussen, sollte die Anwendung immer mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden. Zusätzlich sollten auch behandelnde Onkologen und Pflegefachkräfte im Sinne einer integrativen Behandlung von Krebspatienten im engen Austausch stehen.

Prof. Dr. Dr. Diana Steinmann, Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der MHH, und Dr. Bettina Märtens, Assistenzärztin der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der MHH. Foto: Tom Figiel

Seit November 2019 bilden die Universitätsmedizin Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover das Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N), welches seit Februar 2021 von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert wird. An beiden Standorten bieten speziell weitergebildete Pflegefachkräfte komplementäre Pflegemaßnahmen für Patientinnen und Patienten an, welche sich in/ oder nach einer Krebstherapie befinden. Die jeweiligen Pflege-Teams sind für die Kliniken und Stationen, die die komplementäre Pflege in ihrem Bereich anwenden möchten, jederzeit ein fester Ansprechpartner. In regelmäßigen Treffen schulen sie die neuen Mitarbeiter der einzelnen Bereiche in der Anwendung der komplementären Maßnahmen und bieten Informationsveranstaltungen für Patienten an.

Komplementäre Pflege für Krebspatienten

Was sind komplementäre Methoden der Pflege?

Pflege arbeitet fachlich spezialisiert, in einer patientenzentrierten Weise mit verschiedenen Pflegekonzepten. Die Komplementären Methoden unterstützen und ergänzen den Pflegeprozess und erweitern das Portfolio der schulmedizinischen Pflegemethoden. Methoden wie achtsame Berührungen, Aromapflege, Wickel und Auflagen oder die Verwendung von Heiltees sind einige Beispiele. Diese ergänzenden Methoden haben ihren Ursprung in traditionellen Naturheilkundlichen Verfahren. Meist sind es lang bewährte Volksheilkundliche Methoden, die heute eine Wiederbelebung erfahren und sich großer Beliebtheit erfreuen.

Wer wendet die Methoden an?

Die Methoden werden von interessierten und engagierten Pflegefachpersonen durchgeführt. In den letzten Jahren hat sich in Deutschland ein breit gefächertes Fort-und Weiterbildungsangebot entwickelt. Es gibt verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten. Dazu gehören die Aromaexperten, der Experte für Rhythmische Einreibungen oder auch der Wickelfachmann. Seit 2016 gibt es in Bremen eine staatlich anerkannte Fachweiterbildung zur Fachpflegeperson für Komplementäre Methoden. Zukünftig soll dieses Angebot erweitert werden. An den Universitäten gibt es Pflegewissenschaftliche Projekte, die die Methoden der Komplementären Pflege untersuchen. Ziel ist es, die langjährigen Erfahrungen der Pflegefachpersonen systematisch darzustellen, zu mehr Qualität in der Pflege beizutragen und Professionalisierung des Pflegeberufes zu stärken.

Welche Vorteile und welche Wirkungen haben die komplementären Methoden?

Die Wirkungen der komplementären Pflegemethoden sind vielfältig. Sie sind ein Ausdruck von Zuwendung, Nähe und Hoffnung. Gerade im stressigen Arbeitsalltag können diese Methoden einen Moment der Entspannung und Ruhe vermitteln. Es sind sanfte und doch sehr wirksame Verfahren, die schmerzlindernd, beruhigend, stärkend oder harmonisierend sein können. Die Komplementären Pflegemethoden werden bei vielen Prophylaxen und vorbeugenden Maßnahmen meist äußerlich eingesetzt und wirken auf ganzheitliche Weise auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene. So wird der Mensch als Individuum respektiert, behandelt und gepflegt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Patient die Methoden zu Hause allein oder durch seine Angehörigen weiter anwenden kann. Gerade Aromaöle oder Wickel und Auflagen sind in vielen Lebenslagen gute erste Helfer. Die Methoden sind nach einer Anleitung einfach selbst durchzuführen und können auch nach dem Klinikaufenthalt zur weiteren Genesung und Erholung beitragen.

Welche pflegerischen Methoden gibt es, die bei einer Krebserkrankung hilfreich sein können?

Bei Unruhe, Angst oder Schlaflosigkeitkann ein Lavendelfußbad helfen, zur Mund- oder Hautpflege können spezielle Aromaölmischungen dienen. Rhythmische Einreibungen mit Schmerzölen können lindernd sein und das Wohlbefinden unterstützen. Die Methoden fließen in den Pflegealltag mit ein. So werden sie bei der Körperpflege eingesetzt oder kommen als pflegetherapeutische Maßnahmen wie Wadenwickel bei Fieber oder bei Wasseransammlungen zum Einsatz. In der onkologischen Pflege werden sie lindernd beim Hand-Fußsyndrom oder Übelkeit verwendet, bei den Nebenwirkungen der Chemo- oder Bestrahlungstherapie, wo die Hautpflege oder spezielle Mundpflege sehr wichtig sind, um Komplikationen zu vermeiden.

Aufzeichnung: G-CCC Patientenforum „Komplementärmedizin bei Krebs“

Viele Krebspatienten wünschen sich neben der Standardtherapie selbst etwas zum Verlauf ihrer Erkrankung beitragen zu können. Hier können komplementäre Methoden eine Möglichkeit sein. Welche wirklich sinnvoll sind und ohne Bedenken während der Krebstherapie angewendet werden können, erklären die Expertinnen im G-CCC Patientenforum des UniversitätsKrebszentrums Göttingen. Prof. Dr. Dr. Diana Steinmann und Dr. Bettina Märtens, aus der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover sprechen gemeinsam mit Sandra Liebscher-Koch, Pflegefachperson für Komplementäre Pflege, Pflege- und Pflegefunktionsdienst der UMG, zu komplementären Maßnahmen. Die Aufzeichnung des Vortrags finden Sie auf dem Youtube-Kanal der UMG.

Autoren

Prof. Dr. Dr. Diana Steinmann, Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der MHH

Dr. Bettina Märtens, Assistenzärztin der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der MHH

Sandra Liebscher-Koch, Pflegefachperson für Komplementäre Pflege, Pflege- und Pflegefunktionsdienst der UMG

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