Früherkennung

Alkohol, Nikotin und Infektionen – Wie lässt sich Kopf-Hals-Krebs vermeiden?

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 16.000 Menschen an Kopf-Hals-Krebs. Dahinter verbergen sich bösartige Tumoren der Schleimhäute, die sich am häufigsten in Kehlkopf, Rachen und Mundhöhle; aber auch in Speicheldrüsen oder in der Nase entwickeln. Das Tumorwachstum bleibt in der Regel lange unbemerkt. Frühe Symptome werden oft lange Zeit nicht als solche erkannt bzw. nicht ernst genommen. Das führt leider dazu, dass fünf Jahre nach Diagnose nur noch die Hälfte der Betroffenen am Leben ist. Umso wichtiger ist es rechtzeitig etwas zu tun.

Denn es gibt auch Ausnahmen: Patienten mit Kehlkopfkrebs bemerken schnell eine auffällige Heiserkeit. Die Prognose ist sehr gut, wenn die Diagnose im Frühstadium gestellt wird. Auch Mundhöhlenkrebs kann früh erkannt werden, da dieser Bereich auch für eine Selbstuntersuchung gut zugänglich ist. Weißliche Veränderungen, die sich nicht abwischen lassen, oder oberflächliche Geschwüre an Zunge, Wange oder Lippen können erste Anzeichen einer bösartigen Veränderung sein. Bestehen diese Veränderungen länger als zwei Wochen, sollten sie durch eine professionelle Untersuchung abgeklärt werden.

Weniger deutlich sind die die Symptome bei anderen Formen von Kopf-Hals-Krebs. Aber auch hier gibt es Warnsignale: Treten Schluckbeschwerden, Heiserkeit, eine einseitig verstopfte Nase, Wucherungen im Mund, Zunge oder Rachen, blutige Absonderungen oder Schwellungen am Hals auf, sollten diese nach der so genannten „1-für-3-Regel“ eingeschätzt werden. Wenn eines diese Symptome länger als drei Wochen besteht, ist ein Arztbesuch angeraten. Bei einer Diagnose und Behandlung im Frühstadium ist die Prognose sehr gut. Die Überlebenschance liegt bei 80 bis 90 Prozent der Patienten.

Was sind die klassischen Risikofaktoren für die Entstehung von Kopf-Hals-Krebs? Wer ist besonders gefährdet?

Klassische Risikofaktoren sind die Genussgifte wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum, vor allem hochprozentiger Getränke. Beides in Kombination lässt das Risiko noch einmal deutlich ansteigen. Das Durchschnittsalter der Menschen, die durch diese Genussmittel die Diagnose Kopf-Hals-Krebs erhalten, liegt bei ungefähr 60 Jahren. Jedoch erkranken auch deutlich jüngere Menschen ohne Risikofaktoren. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Untersuchung des Mund-Rachenraumes eine wichtige vorbeugende Maßnahme.

Aber auch immer mehr jüngere Menschen erkranken mittlerweile an Rachentumoren. Der Grund hierfür sind Humane Papillomaviren (HPV). Diese stellen einen dritten Risikofaktor für Krebs im Kopf-Hals-Bereich dar. Im Laufe des Lebens infiziert sich fast jeder Mensch mit diesen weltweit verbreiteten und sexuell übertragbaren Viren, die häufig vor allem mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden. Die Verbreitung findet über sexuelle Kontakte statt, Oralsex gilt als Übertragungsweg der Viren für die Entstehung von Tumoren im Rachenraum. Eine Infektion mit diesen Viren ist grundsätzlich unproblematisch, doch wenn eine Infektion nicht spontan ausheilt, sondern chronisch verläuft, besteht das Risiko für eine Krebserkrankung. Gegen HPV-Tumore bietet eine Impfung guten Schutz. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren seit 2014. Für Jungen gilt die Empfehlung seit 2018. Die Impfung sollte am besten vor dem ersten sexuellen Kontakt stattfinden. Leider wird die Impf-Empfehlung nicht gut angenommen. In Deutschland ist nur weniger als die Hälfte der 17-jährigen Mädchen geimpft.

Individuelle Behandlung im spezialisierten Zentrum

Um Kopf-Hals-Krebs zu behandeln, setzt das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Kopf-Hals-Tumorzentrum in der Universitätsmedizin Göttingen auf ein individuell an die Patienten angepasstes Behandlungskonzept. Dieses besteht aus einer Kombination von Operation, Strahlentherapie und medikamentöser Therapie. Im Idealfall erfolgt die Operation durch den Mund, wobei häufig ein Laser und im Mundrachen ein Operationsroboter zum Einsatz kommt. Dieser funktioniert wie der verlängerte Arm des Chirurgen und macht nur das, was der Operateur im aufträgt. Der Roboter hat zwei ganz besondere Vorzüge: Zum einen verschafft er dem Chirurgen einen exzellenten Überblick über den Tumor, zum anderen hilft er dabei, ganz besonders exakt und schonend zu arbeiten.

Auch in fortgeschrittenen Stadien ist die Behandlung von Kopf-Hals-Krebs erfolgreich möglich. Zwar gehen durch die chirurgische Entfernung dann größere Anteile von Zunge, Wange, Rachen, Kehlkopf oder auch Kiefer verloren. Durch individuell angepasste plastisch-chirurgische Konzepte können die fehlenden Gewebeanteile jedoch sehr gut ersetzt oder rekonstruiert werden.

Alkohol und Nikotin meiden

Hinsichtlich der Prognose und des Erfolgs der Behandlung macht es einen deutlichen Unterschied, wodurch der Tumor im Kopf-Hals-Bereich ausgelöst wurde. Rauchen und Alkohol als Ursache einer bösartigen Erkrankung sind mit einer deutlich schlechteren Prognose verbunden als die sexuell übertragbaren Papillomaviren. Der Grund hierfür ist relativ klar: Während Zigarettenrauch und Alkohol nicht nur mit einer Körperstelle in Kontakt kommen, sondern über Jahre hinweg mit der gesamten Schleimhaut von Mund und Hals, verursachen Tumore, die auf eine HPV-Infektion zurückzuführen sind, keine flächendeckende Schädigung der Schleimhaut, sondern gezielte Mutationen an den mit Papillomaviren infizierten Stellen. Hinzu kommt, dass die sogenannten Genussmittel die Erbanlage an all den Stellen, mit denen sie in Berührung kommen, zerstören und dort zu einem genetischen Chaos führen. Darüber hinaus sind Patienten mit einer HPV-verursachten Krebserkrankung meist jünger und körperlich gesünder. Dieses ist ein großer Vorteil, um eine Operation und weitere Therapieansätze gut durchzustehen.

Zusammenfassend gesagt gibt es also eine Reihe von Möglichkeiten, um das Risiko von Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich zu minimieren. Neben dem Verzicht auf Alkohol und Nikotin und der Nutzung des Angebots einer Impfung gegen Humane Papillomaviren sollte auch eine regelmäßige Untersuchung der oberen Luft- und Speisewege wahrgenommen werden.

Kontakt

Universitätsmedizin Göttingen
Kopf-Hals-Tumorzentrum des UniversitätsKrebszentrums Göttingen
Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Telefon: 0551/39-63851
Email: mkg(at)med.uni-goettingen.de

Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Telefon: 0551/39-63771
Email: sekretariat.hno(at)med.uni-goettingen.de   

G-CCC-Patientenforum

Weitere Informationen zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren erhalten Sie im Vortrag des Patientenforums des G-CCC zum Thema „Früherkennung ist wichtig - Krebs vorbeugen“. Die Online-Veranstaltung fand der Awareness Week der European Head and Neck Society (EHNS) am Dienstag, dem 29. September 2020 statt.

VORTRÄGE

Krebs vorbeugen - Welche Möglichkeiten gibt es?
Dr. Klaus-Peter Schweiger, Facharzt für Innere Medizin / Gastroenterologie, Praxisgemeinschaft am Gausswall Göttingen

Kopf-Hals-Tumoren frühzeitig erkennen? – Was kann ich selber tun?
Prof. Dr. Dirk Beutner, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, UMG

In der Mediathek des G-CCC können Sie den Vortrag als Video anschauen.

Autoren

Leitung

Univ.-Prof. Dr. med. Dirk Beutner

Univ.-Prof. Dr. med. Dirk Beutner

Kontaktinformationen

Leitung

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Henning Schliephake

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Henning Schliephake

Sekretariat

Patientenanmeldung

Folgen Sie uns